Im Vergleich zu heute wurde kein riesiges Drama um die Ernährung von Kindern gemacht. Es gab keine starren Regelwerke, an die Eltern sich zwingend halten mussten, und ich habe über 40 Jahre später das Gefühl, dass damals alles etwas entspannter abgelaufen ist.

Fairerweise muss man aber auch sagen: Es war eine andere Zeit. Die Familienstrukturen waren andere. Während heute in den meisten Familien beide Elternteile arbeiten gehen – auch weil sie finanziell oft keine andere Wahl haben – und dementsprechend weniger Zeit für scheinbar nebensächliche Dinge wie die täglichen Mahlzeiten bleibt, war es in meiner Kindheit normal, dass die Mutter zuhause war und sich um Haushalt und Kinder gekümmert hat. Und wenn dem nicht so war, gab es meist noch die Oma, die das übernommen hat.

Damals war alles besser!?

Nein, diese Zeit war nicht „besser“, sie war nur anders. Andere Struktur, anderer Alltag, andere Anforderungen – und eben auch andere Ernährung.

Ich erinnere mich noch sehr gut daran. Ich bin in einer Kleinstadt in NRW aufgewachsen. Es gab keine großen Fast-Food-Ketten in unserem Ort und Essen zum Mitnehmen war selten. Essen bestellen? Vielleicht alle Jubeljahre mal beim EINZIGEN Lieferdienst der Stadt. Das kann man sich heute kaum noch vorstellen, wo es an jeder Ecke Dönerbuden, Pizzaläden, aber auch Salat- und Sushibars gibt.

Meine Mutter – oder meine Oma, wenn meine Mutter halbtags arbeiten war – hat jeden Tag frisch gekocht. Als ich mittags aus der Schule kam, stand das Essen auf dem Tisch und wir haben gemeinsam gegessen. Das war normal. Es waren nicht immer kulinarische Hochgenüsse und erst recht nichts, was man heute als „fancy“ bezeichnen würde. Es gab die gute alte Hausmannskost (die ich manchmal vermisse) – frisch gekocht und lecker (meistens jedenfalls).

„Ich habe es als Kind geliebt, meiner Mutter beim Kochen zuzuschauen - angelehnt an die warme Küchenheizung im Winter. Auch, wenn ich heute nicht gerne koche, habe ich dabei gelernt, wie man selbst eine leckere Mahlzeit kochen kann.“

Anne Krenzin

Was es damals nicht gab, waren zig verschiedene Empfehlungen, worauf man achten muss, um genug Nährstoffe aufzunehmen. Es wurde nicht beziffert, wie oft man Fleisch essen darf oder wie oft Gemüse. Und es wurde kein Drama daraus gemacht, wenn es mal Milchreis als Hauptmahlzeit gab, weil da angeblich zu viel Zucker drin ist.

Natürlich waren die Erkenntnisse über ausgewogene Ernährung noch nicht so weit wie heute (diese ändern sich übrigens auch heute ständig). Man wusste schlichtweg noch nicht so viel über den Zusammenhang von Gesundheit und Erkrankungen. Trotzdem war die Ernährung aus heutiger Sicht ausgewogen.

Empfehlungen vs. Kompetenzen in der Küche

Heute gibt es zahlreiche Ratgeber, die uns in Sachen Kinderernährung auf die Sprünge helfen sollen – gerne übrigens mit starren Regeln, die unbedingt eingehalten werden müssen. Trotzdem ist die Ernährung in vielen Familien heute deutlich schlechter als damals. Die Ursachen sind vielfältig: Fehlende Zeit für Einkauf und Zubereitung, zu wenig Geld für hochwertige Produkte, mangelnde Ideen oder schlichtweg fehlende Kompetenz in der Küche. Ihr glaubt es nicht, aber ich kenne tatsächlich 20-Jährige, die noch nie Nudelwasser aufgesetzt haben!

Das, was früher normal war – nämlich die Weitergabe hauswirtschaftlicher Kompetenzen an die eigenen Kinder –, kommt heute aufgrund der veränderten Anforderungen, mit denen Eltern jonglieren müssen, manchmal zu kurz. Das gilt sicher nicht für jede Familie, aber für sehr viele.

Wenn ein Ratschlag zur Rettungsinsel wird

Umso wichtiger ist die Unterstützung durch Experten, damit das, was früher normal war, heute zum Wohl unserer Kinder umgesetzt werden kann. Denn die Gewohnheiten, die sie sich im Kindesalter aneignen, nehmen sie mit ins Erwachsenenalter – und die wird man nicht so einfach wieder los.

Praxistipp: Nehmt den Druck raus und verzichtet auf starre Regeln - macht Kochen und Essen stattdessen zum gemeinsamen Erlebnis.

Dabei geht es nicht um ein starres Regelwerk mit Verboten, sondern vielmehr um alltagstaugliche und leicht umsetzbare Ideen, die Spielraum für eigene Überzeugungen lassen. 

Schaut gerne mal in der Rubrik „Rezepte“ vorbei. Dort findet ihr Ideen für schnelle, einfache und günstige Gerichte, für die ihr keine Kochausbildung braucht.

Lasst euch ansonsten von zukünftigen Blogbeiträgen inspirieren, um eure Kinder auf unkomplizierte Weise gut unterstützen zu können.

Tipps für entspannte Familienmahlzeiten

1

Durchatmen und entspannen

Zu viele Regeln und starre Vorgaben setzen euch und eure Familie unter Druck. Da ist Stress vorprogrammiert.

2

Imperfektionismus ist die Lösung

Ihr seid Menschen, ihr müsst nicht perfekt sein - auch nicht bei der Kinderernährung. Sich Mühe geben, ja, aber wenn es dann doch mal Nudeln mit Ketchup gibt, werden eure Kinder das verkraften.

3

Strategien für herausfordernde Situationen

Überlegt euch vorher, ob jeder Konflikt am Küchentisch wirklich ausgefochten werden muss und wie ihr auf ihn reagieren wollt.