Raucher bekommen an jeder Ecke vorgehalten, wie schädlich ihre Gewohnheit ist. Aber bestellt mal beim nächsten Mädelsabend, der Geburtstagsfeier oder beim Geschäftsessen ein einfaches Mineralwasser – die irritierten Blicke und die Frage „Trinkst du etwa gar nichts?!“ sind euch so gut wie sicher.

Glaubt mir, ich weiß ganz genau, wovon ich rede!

Ich selbst trinke extrem selten Alkohol. Nicht aus einem starren Dogma heraus, sondern schlichtweg, weil mir meistens nicht danach ist und er mir schlicht nicht besonders schmeckt. Wenn überhaupt, trinke ich mal ein Glas in geselliger Runde. Und was passiert? Weil ich absolut nicht „im Training“ bin, knallt das erste Glas Weißwein direkt in die Blutbahn.

Im Alltag begegnen mir aber ständig ganz andere Sätze: „Nach diesem Horrortag brauche ich erst mal ein großes Bier“ oder „Gestern Abend musste ich erst mal die Weinflasche aufmachen, um überhaupt runterzukommen.“

Ganz ehrlich: Das stimmt mich nachdenklich.

Seit wann ist Alkohol das Universalwerkzeug geworden, um mit Alltagsstress, Überstunden oder Frust klarzukommen? Er ist und bleibt ein Genussmittel – und sollte genau als solches behandelt werden. Ihn als Ventil zur Stressbewältigung einzusetzen, ist eine verdammt trügerische Falle.

„Ein Glas Wein ist kein Versagen. Wer jedoch versteht, was Alkohol im Körper bewirkt, kann ganz bewusst entscheiden, wann Genuss und wann Fettverbrennung Vorrang haben.“

Anne Krenzin

Aber schauen wir uns das Ganze mal aus der Sicht eurer Figurziele an.

Alkohol während einer Gewichtsreduktion ist schlichtweg der ultimative Saboteur. Klingt hart, ist aber physiologische Realität. Und zwar aus drei handfesten Gründen:

  • Pure, leere Kalorien: Reiner Alkohol schlägt mit satten 7 Kilokalorien pro Gramm zu Buche – fast so viel wie reines Fett (9 kcal) und fast das Doppelte von Kohlenhydraten oder Protein (jeweils 4 kcal). Dazu kommt: Im Cocktail, Bier oder Wein steckt fast immer reichlich Restzucker, der obendrauf kommt. Man spricht hier zu Recht von „leeren Kalorien“: Sie liefern euch Unmengen an Energie, aber null Mikronährstoffe, die euer Körper sinnvoll gebrauchen könnte.

  • Die Fettverbrennung steht komplett still: Für euren Körper ist Alkohol ein Zellgift, das er so schnell wie möglich wieder loswerden will. Sobald Alkohol im Blut zirkuliert, schmeißt der Stoffwechsel die Bremse rein: Der Fettabbau wird rigoros gestoppt, weil die Leber auf Hochtouren läuft, um erst das Ethanol abzubauen. Kohlenhydrate und Fette wandern währenddessen direkt ins Speicherdepot. On top steigt der Cortisolspiegel, was den Fettabbau zusätzlich lahmlegt.

  • Die Heißhunger-Falle am Tag danach: Alkohol wirbelt euren Hormonhaushalt kräftig durcheinander. Das Sättigungshormon Leptin sinkt in den Keller, während das Appetithormon Ghrelin so richtig aufdreht. In Kombination mit dem schlechten, unruhigen Schlaf nach Alkoholkonsum wacht ihr am nächsten Tag auf und habt schlichtweg unbändigen Heißhunger auf Fettiges, Salziges und Deftiges.

Die Stoffwechsel-Kaskade nach einem Glas Alkohol

1

Prioritärer Abbau in der Leber

Alkohol wird zu toxischem Acetaldehyd und Acetat verstoffwechselt. Die Fettverbrennung sinkt um bis zu 73 %.

2

Blockierte Lipolyse

Solange Acetat im Blut zirkuliert, greift der Körper keine Fettdepots an. Überschüssige Nahrungsenergie wird direkt gespeichert.

3

Hormonelle Dysbalance am Folgetag

Gestörter REM-Schlaf lässt Leptin (Sättigung) sinken und Ghrelin (Heißhunger auf Fett & Kohlenhydrate) ansteigen.

Heißt das nun, ihr müsst ab heute für immer enthaltsam leben?

Nein, natürlich nicht! Niemand verlangt von euch, nie wieder mit einem Glas Wein anzustoßen. Das Leben soll Spaß machen, und starre Verbote erzeugen nur Gegendruck. Aber wenn ihr dauerhaft Gewicht verlieren und euch in eurem Körper wieder rundum wohlfühlen wollt, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf die eigenen Gewohnheiten: Weniger ist hier definitiv mehr.

Macht euch bewusst, wann ihr zum Glas greift – aus echtem Genuss oder einfach nur aus Reflex, Stress oder Gruppenzwang?