Hattet ihr auch schon mal diesen zermürbenden Gedanken im Kopf: „Alle anderen um mich herum essen total entspannt – nur ich mache mir ständig einen Kopf. Warum kriege ich das nicht hin?“
Ein ganz schön bitterer Gedanke, oder?
Man sitzt im Café oder läuft durch die Stadt und sieht überall diese beneidenswert lockeren Menschen: Die Kollegin, die herzhaft in das buttrige Schokocroissant beißt. Das Pärchen am Nebentisch, das sich völlig ungeniert eine riesige Portion Schnitzel mit Pommes schmecken lässt. Sie lachen, quatschen und scheinen sich um Kalorien oder Waagenanzeigen null Gedanken zu machen. Sie genießen einfach ihr Leben – scheinbar völlig mühelos und gertenschlank.
Der kritische Blick auf sich selbst
Bei euch rattert im Kopf sofort die Rechenmaschine los: „Ist das gesund genug? Wie viele Kalorien hat das wohl? Muss ich dafür heute Abend noch eine extra Runde joggen?“ Wenn ihr etwas für eure Figur tun wollt, scheint schon der bloße Genuss eines normalen Essens ein Verbrechen zu sein. Wehe, das Schnitzel schmeckt auch noch – da klopft das schlechte Gewissen schon beim Kauen an.
Ich plaudere jetzt mal ganz ehrlich aus dem Nähkästchen: Ich kenne das so gut! Mir ging es jahrelang nicht anders. Aber wisst ihr, was ich heute weiß und was ich damals so dringend hätte hören müssen? Dieser Vergleich ist eine riesige Illusion.
Ihr könnt fremden Leuten schließlich nicht in den Kopf schauen. Wer sagt euch denn, dass die Frau mit dem Croissant sich nicht innerlich genauso zerfleischt wie ihr? Vielleicht ist das Schnitzel im Restaurant die bewusste Ausnahme der Woche. Vielleicht quält sie sich seit Tagen mit einer Crashdiät herum oder das Croissant war die einzige Mahlzeit des ganzen Tages. Sobald man hinter die Fassade blickt, ist das Essverhalten der anderen plötzlich gar nicht mehr so mühelos und sorgenfrei, wie es von außen wirkt.
„Was nützt dir der gesündeste Salat, wenn du ihn mit Frust hinunterwürgst? Die perfekte Ernährung gibt es nicht – wohl aber die, die wirklich zu deinem Leben passt.“
Anne Krenzin
Individualität vor Generalisierung
Und stellt euch doch mal die grundlegende Frage: Gibt es sie überhaupt – diese eine „perfekte“ Ernährung?
Klare Antwort: Nein, schlichtweg nicht!
Jeder Mensch tickt anders. Wir alle haben völlig unterschiedliche Körper, Alltage und Vorlieben. Ich liebe zum Beispiel Sushi! Wenn ich meinen Eltern vorschlagen würde, Sushi essen zu gehen, würden sie dankend abwinken und lieber zum Spanier wollen – während Tapas wiederum gar nicht so meins sind. Und wisst ihr was? Sowohl die japanische Küche als auch die mediterrane Kost sind hervorragende, vollwertige Ernährungsformen. Aber sie passen eben nicht zu jedem Geschmack.
Genau da liegt der Knackpunkt: Gesunde Ernährung ist radikal individuell.
Das 80/20-Prinzip für lebenslange Gelassenheit
Nährstoffreiche Basisversorgung (80 %)
Buntes Gemüse, hochwertige Proteine, komplexe Ballaststoffe, gesunde Fette und ausreichend Wasser für Zellgesundheit und Energie.
Freier Genuss ohne Reue (20 %)
Das Stück Kuchen auf der Geburtstagsfeier, die knusprige Pizza mit Freunden oder das Glas Wein – ohne schlechtes Gewissen.
Sich strikt an Empfehlungen zu halten, macht es nicht perfekt
Natürlich gibt es wissenschaftliche Leitplanken, die Sinn ergeben: Mehr Gemüse und Pflanzenkost auf den Teller, maßvoll mit Zucker und Alkohol umgehen, echtes Essen statt hochverarbeiteter Chemie. Aber das allein macht eine Ernährung noch lange nicht perfekt.
Euer Umgang mit dem Essen, eure mentale Gesundheit und euer echtes Wohlbefinden spielen eine mindestens genauso große Rolle! Was nützt euch denn der nach allen Regeln der Kunst optimierte Power-Salat, wenn ihr ihn mit Tränen in den Augen hinunterwürgt, weil ihr null Genuss und null Freude dabei empfindet? Gar nichts. Ständiger Verzicht erzeugt nur Frust.
Befreit euch von dem Druck, perfekt sein zu müssen. Hört auf, euch mit scheinbar perfekten Menschen auf der Straße oder im Internet zu vergleichen. Hört auf euren Verstand, aber genauso auf euer Bauchgefühl – und gestaltet eure Ernährung so, dass sie zu eurem echten Leben passt.