Hand aufs Herz: Welche Zahl schießt euch als Erstes durch den Kopf, wenn ihr an euer Traumgewicht denkt?
Genau diese Frage solltet ihr euch ganz ehrlich stellen, bevor ihr euch in die nächste Gewichtsabnahme stürzt. Denn in den allermeisten Fällen liegt das persönliche Wunschgewicht meilenweit unter dem, was für den eigenen Körper eigentlich ein gesundes, stabiles Idealgewicht wäre.
Woher kommt dieser Drang, möglichst wenig zu wiegen, eigentlich?
Der Ursprung liegt in einem Schönheitsideal, mit dem viele von uns aufgewachsen sind. Wer vor der Jahrtausendwende groß geworden ist, kennt diesen Dauerbeschuss nur zu gut: Aus Fernsehserien, Magazinen und Modeschauen sprangen uns extrem dünne Frauen entgegen. Uns wurde jahrelang subtil eingetrichtert: Wer schlank ist, ist diszipliniert, gesund und erfolgreich. Wer es nicht ist, hat die Kontrolle verloren.
Kein Wunder also, dass man solche Zerrbilder vollkommen unbewusst als Maßstab für den eigenen Körper übernimmt.
Ich plaudere jetzt mal ganz ehrlich aus dem Nähkästchen:
Auch ich konnte mich davon jahrelang nicht freimachen. Ich bin diesem unerreichbaren Bild ewig hinterhergelaufen – bis ich irgendwann mitten in einer Essstörung feststeckte.
Besonders dieser verfluchte flache Bauch war für mich das Nonplusultra. Aber egal, wie dünn ich mich hungerte, wie sehr ich kämpfte: Ein kleines Bäuchlein blieb immer sichtbar. Warum? Weil meine Wirbelsäule von Natur aus sehr flach gebaut ist und kaum eine S-Form hat. Gegen die eigene Anatomie kann man schlichtweg nicht anhungern!
Dazu kam dieser absurde Zahlenzwang: Um Himmels willen keine 6 vorne auf der Waage! 59 Kilo? Gerade noch okay. Aber bloß keine 60. Dabei liegt mein echtes, biologisches Idealgewicht – also der Bereich, in dem mein Körper optimal funktioniert und sich rundum wohlfühlt – bei 61 Kilo. Völlig verrückt, oder? Heute weiß ich: Mein Blick auf mich selbst war komplett verzerrt.
„Dein Wohlfühlgewicht ist keine Zahl auf einer Plastikwaage – es ist das Gefühl, morgens voller Energie und ohne Gedanken an Kalorien in den Tag zu starten.“
Anne Krenzin
Perfekt von außen, gesund von innen? Schön wär’s!
Zum Glück wandelt sich dieses starre Bild langsam. Immer mehr Menschen zeigen sich so, wie sie wirklich sind, und beweisen, dass Erfolg und Ausstrahlung absolut nichts mit Kleidergröße 34 zu tun haben.
Macht euch eines immer wieder klar: Ein scheinbar perfekter Körper sagt absolut null darüber aus, wie gesund jemand im Inneren ist!
Man sieht heute unzählige Menschen, die fünf Tage die Woche im Gym schwitzen, definierte Bauchmuskeln zur Schau stellen und sich im Netz als Fitness-Vorbilder feiern lassen. Aber schaut mal hinter die Kulissen: Da geht es fast nur um pure Optik. Mit echter Gesundheit hat das oft gar nichts mehr am Hut!
Faktencheck: Wunschgewicht vs. Biologisches Wohlfühlgewicht
Wunschgewicht (Optisches Ideal)
Oft geprägt durch Social Media oder alte Jugendgewichte. Nur mit permanenter Restriktion und hohem Stress haltbar.
Biologisches Wohlfühlgewicht (Nachhaltige Balance)
Optimaler Grundumsatz, stabile Hormone, hohe Lebensfreude und dauerhaft stabil – ganz ohne Diätstress.
Da werden synthetische Pulver und Kapseln en masse geschluckt, und ich habe in meiner Laufbahn tatsächlich Leute erlebt, die sich täglich 20 Eiklar reingewürgt haben – Hauptsache maximales Protein, null Fett. Mit einer ausgewogenen, genussvollen Ernährung hat so ein Zirkus rein gar nichts zu tun.
Bevor ihr also das nächste Mal loslegt, haltet kurz inne: Welches Gewicht wollt ihr eigentlich erreichen – und vor allem für wen? Für eine Zahl auf einem Display? Für fremde Leute im Internet?
Seid ehrlich und milde mit euch selbst. Hinterfragt eure Ziele, verabschiedet euch von unrealistischen Schablonen und hört wieder auf das, was eurem eigenen Körper wirklich guttut.